Kardinal sozial. Óscar Andrés Rodríguez Maradiaga

Honduras ist ein katholisches Land. Je nach Quelle liegt der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung zwischen 75 und 97 Prozent. Die Kirche in Honduras blickt auf eine über 500jährige Geschichte zurück. Die erste Hl. Messe wurde am 14. August 1502 gefeiert, zwei Wochen nach der Entdeckung Mittelamerikas durch Christopher Columbus.

Der Einfluss der Kirche ist sehr groß. Sie ist die wichtigste moralische Instanz des Landes. Auf der Basis ihrer Soziallehre betont sie, dass Eigentum verpflichtet. Sie fordert die Reichen und Privilegierten auf, ihren Wohlstand mit den Armen und Benachteiligten zu teilen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Erzbischof von Tegucigalpa, Óscar Andrés Kardinal Rodríguez Maradiaga.

Kardinal Rodríguez Maradiaga ist eine überaus bemerkenswerte Persönlichkeit. Er studierte neben katholischer Theologie noch Musik, Chemie, Physik, Mathematik, Philosophie und Psychologie. Er spricht sechs Sprachen, trägt drei Doktortitel, spielt Saxophon und ist Hobby-Pilot.

In Deutschland ist das von Gott so reich gesegnete Multi-Talent hoch angesehen – seit 2005 ist Kardinal Rodríguez Maradiaga Träger des Bundesverdienstkreuzes. Hierzulande ist der Salesianer vor allem als Schirmherr der Entschuldungskampagne anlässlich des „Jubeljahres“ 2000 sowie als Präsident von „Caritas International“ (seit 2007) bekannt.

In Honduras ist der Kardinal ein wahrer Volksheld. Als Vorsitzender der Anti-Korruptionskommission engagiert sich Rodríguez Maradiaga für mehr Transparenz und soziale Verantwortung in Politik und Wirtschaft seines Heimatlandes. Während der Staatskrise im vergangenen Sommer wirkte er mäßigend auf die Parteien ein, forderte von der neuen Regierung Versöhnung statt Rache, ohne in Frage zu stellen, dass die Herrschaft Manuel Zelayas einer sorgfältigen juristischen Aufarbeitung bedarf.

In der römisch-katholischen Kirche ist der streitbare Bischof einer der wichtigsten Köpfe, weit über Honduras und Lateinamerika hinaus. Schon 2005 galt er als Mitfavorit für die Nachfolge Johannes Pauls II. Kardinal Rodríguez Maradiaga ist mit seinen 67 Jahren noch recht jung. Vielleicht bekommt er noch eine zweite Chance.

(Josef Bordat)

Über jobo72

Dr. phil., Dipl.-Ing., M.A., geb. 1972, katholisch, verheiratet, keine Kinder. Abitur am Friedrich-Spee-Gymnasium Geldern (1991). Diplom im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen (2000) an der Technischen Universität Berlin. Mitglied des Vorstands einer privaten Arbeitsvermittlung und Dozent für Wirtschaft in Berlin (1997-2001). Studien-, Lehr- und Forschungsaufenthalt an der Universidad Nacional de San Agustín in Arequipa/Perú (2002). Magister in Philosophie (2004) an der Technischen Universität Berlin. 2006 Promotion zum Dr. phil. mit der Dissertation „Gerechtigkeit und Wohlwollen. Das Völkerrechtskonzept des Bartolomé de Las Casas“ am Institut für Philosophie, Wissenschaftstheorie, Wissenschafts- und Technikgeschichte der Technischen Universität Berlin. Redakteur des Marburger Forum, Mitherausgeber des International Journal of the Humanities, Übersetzungen aus dem Spanischen und Englischen, zahlreiche Veröffentlichungen zur Philosophiegeschichte des 16. bis 18. Jahrhunderts, zur Ethik und zur Rechts-, Sozial- und Wirtschaftsphilosophie, darunter Gerechtigkeit und Wohlwollen (2006), Bartolomé de Las Casas (2007), Wirtschaftsliberalismus (2007).
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